Oktober 2018

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Dr. Sabine Runde Museum für angewandte Kunst, Frankfurt
 
Auszug aus dem Katalog zur Ausstellung
"Gertrud und Otto Schamschula 1954 - 1988"
im Museum für Angewandte Kunst.
 
Gertrud Schamschula, geb. Richter, wuchs in Glauberg in der Wetterau auf. Ihr Vater war Professor für Vor- und
Frühgeschichte in Gießen und Leiter der Ausgrabungen der keltischen Fliehburg auf dem Glauberg. Durch die Mutter,
die seit 1952 in Offenbach an der Werkkunstschule die Klasse für Weberei besuchte, kam sie als 10jährige mit dem
Betrieb der Kunstschule und den Bereichen des Kunsthandwerkes in Berührung. Prägend waren für sie jedoch später
die vielen Besuche in der Werkstatt der seit 1956 in Düdelsheim arbeitenden Keramiker Beate Kuhn und Karl Scheid.
Die große Faszination, die eine Lebensweise auf sie ausübte, welche zwischen Leben und Arbeit keine Trennung zieht,
ließen in Ihr den Entschluss reifen, sich ebenfalls im Bereich des Kunsthandwerks ihren Beruf zu wählen. Durch Ihre
Mitarbeit in der Keramikwerkstatt während der Schulferien war Gertrud Richter aber auch klar geworden, dass der weiche
Ton nicht das Material war, in dem Sie Ihre Ideen verwirklichen wollte. Sie fühlte sich stärker von der Härte und den
widerstrebenden Eigenschaften des Metalls angezogen. Bisher hatte sie nur Schülerarbeiten ihrer Schwester kennen
gelernt, die in Hanau an der Zeichenakademie eine Goldschmiede- Ausbildung machte. Sie selbst hatte jedoch andere
Formvorstellungen, so dass Karl Scheid Ihr empfahl, sich einmal auf der Frankfurter Messe umzusehen. Dort sah sie die
Arbeiten Otto Schamschulas und fragte ihn noch auf der Messe, ob sie bei ihm in die Lehre gehen könne. Sie erfuhr,
dass im Herbst 1959 eine Lehrstelle bei ihm frei würde und die nächste dann erst wieder dreieinhalb Jahre später zu
besetzen sei. Ihr Entschluss war schnell gefasst, sie brach die Schule ab und begann im darauf folgenden Herbst in
Neu-Isenburg ihre Goldschmiedeausbildung. Im Frühjahr 1960 wechselte Gertrud Richter an die Zeichenakademie nach Hanau
und belegte das Fach Silberschmieden.
Die Schulausbildung, die auf breitgefächerte und umfassende Kenntnisse angelegt war, hatte gegenüber der
Werkstattausbildung den Schwerpunkt in der Theorie, die vom Fachzeichnen, Modellbau, über Materialkunde, Kunstgeschichte
bis zur Kalkulation reichte. Gertrud Richter, die die Arbeit in der Werkstatt kennengelernt hatte und der besonders am
praktischen Arbeiten gelegen war, bemühte sich deshalb bald um eine Stelle während der Ferienzeit. Die Metallgefäße von
Max Zehrer, der 1959 auf der Frankfurter Messe mit dem Hessischen Staatspreis ausgezeichnet worden war, gefielen Ihr gut,
so das Sie Ihm wegen eines sechswöchigen Praktikums nach Würzburg schrieb. Es gelang Ihr schließlich bei einem persönlichen
Besuch, ihn, der eigentlich keine Praktikanten aufnehmen wollte, zu überzeugen, eine Ausnahme zu machen. Während dieser
Wochen konzentrierte sie sich auf Schmieden und Aufziehen, entwickelte Gefühl für das Material und schnitzte Elfenbein.
1963 schloss sie die Ausbildung an der Hanauer Zeichenakademie mit der Gesellenprüfung ab.
Die Möglichkeit, als Silberschmiedin zu arbeiten, boten besonders Werkstätten, die Aufträge von kirchlicher Seite erhielten.
Unter diesen empfand Gertrud Richter die Werkstatt Schwerdt-Förster in Aachen als die beste. Ihre Bewerbung dort hatte Erfolg.
Der Betrieb der zahlreiche Grossaufträge ausführte, beschäftigte mit ihr zehn Mitarbeiter. Die großen Projekte, wie die
Hedwigskirche in Ost-Berlin oder ganze Chorschranken für den Mainzer Domschatz, erforderten eine gut abgestimmte Zusammenarbeit.
Gertrud Richter hatte hier Gelegenheit, Silber- und Goldschmiedearbeiten in einer ganz anderen Dimension kennenzulernen.
Fritz Schwerdt, die schöpferische Kraft des Unternehmens, beeindruckte sie durch Formenreichtum und seine unendliche Phantasie.
Sie wurde mit einer anderen Auffassung der Flächengestaltung konfrontiert, die strukturiert, rhythmisiert, ornamentiert, aber
nie glatt belassen wurde. Dass die Ergebnisse trotzdem nie überladen oder protzig wirkten, war verantwortlich dafür, dass sie
nach eineinhalb Jahren intensiver Mitarbeit dort mit vielen neuen Erfahrungen und einem offeneren Verhältnis zum Ornament nach
Frankfurt zurückkehrte. Dort arbeitet sie seit 1964 mit Otto Schamschula in einer gemeinsamen Werkstatt, und 1968 legte sie Ihre Meisterprüfung ab.
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