Otto Schamschula – Leben und Werk 1928 – 1996

Von den frühen Gold- und Silberschmiedearbeiten über die gemeinsame Werkstatt mit Gertrud Schamschula bis zu den beweglichen Holzplastiken: Für Otto Schamschulas Entwicklung war ein Ansatz besonders prägend – „aus der Umsetzung der technischen Prinzipien die Form zu entwickeln“.

Otto Schamschula Portrait

Der Weg zur eigenen Formensprache

Otto Schamschula wuchs in Karlsbad auf und zeigte früh eine besondere Neigung zur handwerklichen Arbeit. Nach der Übersiedlung nach Schwäbisch Gmünd begann er 1946 als jüngster Schüler seine Ausbildung an der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe. Dort lernte er Gold- und Silberschmieden, Ziselieren, Gravieren und Fassen; Zeichnen, Bildhauerei und Malerei erweiterten seinen Blick über die Schmuckgestaltung hinaus.

1949 bestand er die Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Nach weiteren Studien bei Professor Hans Warnecke und mehreren Jahren als Goldschmied legte er die Meisterprüfung ab. Am 1. Juni 1954 eröffnete er in Neu-Isenburg seine eigene Werkstatt; 1961 verlegte er sie nach Frankfurt am Main.

„Die plastische Qualität auch der kleinen Objekte veranlasste Otto Schamschula schließlich, seine Gestaltungsideen auch an größeren Formaten zu erproben.“ Dr. Sabine Runde, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

Holzplastiken 1980–1995

In den Holzplastiken übertrug Otto Schamschula seine Erfahrungen aus Schmuck und Gerät auf größere Formate. Gleichmäßig geformte, teilweise abgestufte geometrische Elemente werden zu komplexen Körpern gefügt. Manche Arbeiten sind beweglich oder drehbar und verändern sich mit dem Blickwinkel.

Die Präzision des Goldschmieds bleibt spürbar, doch die Form greift nun weiter in den Raum. Aufbau, Bewegung und Wiederholung werden zu eigenständigen Gestaltungsmitteln.

Otto Schamschula

„Die Entwürfe entstanden in enger Abstimmung und Zusammenarbeit des Künstlerpaares, wer von beiden die handwerkliche Umsetzung vornahm, war jedoch abhängig von dem zu bearbeitenden Material.“ Christina Beyer, Bundesverband Kunsthandwerk e. V.

Gertrud und Otto Schamschula in der Werkstatt

Gemeinsame Arbeiten 1964–1996

Seit 1964 arbeiteten Gertrud und Otto Schamschula in einer gemeinsamen Werkstatt in Frankfurt. Die Entwürfe entstanden im Dialog, die Ausführung folgte den Materialien: Gertrud Schamschula formte die Silberteile, Otto Schamschula bearbeitete Holz und weitere Werkstoffe.

Aus Edelmetall, Edelholz und edlen Steinen entstand eine gemeinsame ästhetische Welt. Klare Grundformen, präzise Fügungen und die sichtbaren Eigenschaften der Werkstoffe bestimmen ihre Schmuck- und Gerätearbeiten.

„Am Anfang erbrachten Auftragsarbeiten den notwendigen Verdienst, um seine Ideen zu finanzieren. Die eigenen Entwürfe wurden am Abend, in der ‚Freizeit‘ realisiert.“ Dr. Sabine Runde, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

Frühe Goldschmiedearbeiten 1954–1963

Mit der eigenen Werkstatt begann 1954 die selbstständige Arbeit. Neben Aufträgen entwickelte Otto Schamschula Schmuck und Gerät nach eigenen Entwürfen und bildete Lehrlinge aus. Bereits 1955 zeigte er erste Arbeiten auf der Internationalen Messe Frankfurt; 1956 folgte der eigene kleine Messestand.

In diesen frühen Arbeiten werden die handwerkliche Genauigkeit und die klare, sachliche Formensprache sichtbar, die sein späteres Werk prägen sollten.

Otto Schamschula Portrait

Nicht die Größe, sondern das Prinzip

Vom Schmuck bis zur Holzplastik veränderte sich der Maßstab, nicht die Haltung. Otto Schamschula entwickelte Formen aus Konstruktion, Fügung und Bewegung. Die Ausbildung im Gold- und Silberschmieden, Ziselieren, Gravieren und Fassen blieb dafür ebenso grundlegend wie die Beschäftigung mit Zeichnen, Bildhauerei und Malerei.

Der im Ausstellungskatalog beschriebene Lebensweg ist deshalb mehr als eine Folge von Jahreszahlen: Er zeigt einen Gestalter, der sein handwerkliches Wissen Schritt für Schritt erweiterte – von den eigenen Entwürfen, die zunächst nach der Auftragsarbeit entstanden, über die gemeinsame Werkstatt bis zu den raumgreifenden, teils beweglichen Plastiken. Das kleine Schmuckstück blieb dabei Ausgangspunkt, aber nicht Grenze seines Denkens.

Nach biografischen Angaben und Textauszügen von Dr. Sabine Runde aus dem Katalog zur Ausstellung „Gertrud und Otto Schamschula 1954–1988“, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

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